Überführung einer Neptune 58 Harttop von Wiesbaden nach Odessa / Ukraine.
Länge 58 Fuss gleich 19 Meter
Breite 5,50 Meter
Gewicht 17 Tonnen
2 X 800 Ps Cummings
Kraftstofftank 2 x 800 ltr.
Wir, das ist mein Nachbar Jochen und ich, starten am Montag, den 11.06.2007 um kurz vor Uhr 5,00 mit der Taxe Richtung Bahnhof Hannover, um mit dem Zug nach Frankfurt zu fahren. Dort werden wir von dem Beauftragten der Firma Neptunes aus den Niederlanden mit dem Auto abgeholt und nach Wiesbaden gefahren, denn dort liegt nach neuesten Erkenntnissen die Yacht, welche über den Main, Main – Donau – Kanal, die lange Donau hinunter ins Schwarze Meer und von dort Richtung Halbinsel Krim nach Odessa gefahren werden soll.
Es schüttet aus Eimern, unser Fahrer kann beinahe nichts sehen, alles voller Wasserstaub. Aber wir schaffen es, ohne zu schwimmen.
Am Hafen angekommen, erfolgt eine kurze Einweisung auf der
weiß – blauen Wunderyacht und der Beauftragte der Werft verabschiedet sich schnellstens. Wir sammeln unsere Koffer zusammen und ab geht’s an Bord. Nachdem jeder seine Koffer in die Kabine gebracht hat, werden die Leinen eingeholt und los geht die Fahrt.
Aber wo geht’s denn hier in den Rhein ? Ach so, da hinten, also einmal um die eigene Achse drehen und durch den kleinen Kanal in den Rhein. Nun aber erst mal schauen, in welche Richtung der Rhein überhaupt fließt ? Wo geht’s denn hier zum Main ? Aha, in die Richtung geht es bergauf zum Main.
Und nun beginnt eine richtige Schinderei mit der Berufsschiffahrt und den Schleusen. Ich kann nicht hinter der Schiff-Fahrt fahren, weil ich dann ständig wegen der niedrigen Geschwindigkeit aus dem Gang muss, also muss ich vorbei. Dabei gibs Ärger mit den Skippern, weil sie Wasser an Deck bekommen.
Nach einer Schleusung fahre ich an einer Stahl - Yacht vorbei, nachdem ich mich bemerkbar gemacht habe. Weiter geht’s nach Lohr, wo wir abends 20,00 Uhr gut an einer Industrie – Mole anlegen können; wir sahen einen Edeka – Markt 100 mtr. weit, passend für einen Einkauf. Eine Verkäuferin erzählt uns auf Nachfrage, dass es hier kein Restaurant gibt und fährt uns später nach Homburg, wo wir in einem hübschen Burgrestaurant dann etwas zu essen bekommen. Später fährt uns dann eine Taxe wieder zum Schiff.
Dort entdecken wir dann einen Zettel im Türspalt. Da beklagt sich der Skipper von dem kleinen Stahlboot darüber, dass mein Schiff seines so zum Schaukeln brachte, dass ihm der Fernseher vom Tisch fiel und seiner Frau die Brille über Bord ging. Ja, sind wir denn hier auf einem Campingplatz ? Ich ruf ihn an und er sagt, dass er schon geschleust hätte, aber wieder zurück schleust, weil er oberhalb der Schleuse keinen Liegeplatz fände. Ich fasse es nicht. Da kommt er um die Kurve gefahren. Er kommt längsseits. Nun erzählt mir doch dieser Hecht, dass ihm während 14 – jähriger Erfahrung auf dem Isselmeer so etwas noch nicht passiert ist. Naja, vielleicht war da noch kein Fernseher auf dem Tisch. Er redet von Anzeige, schon erstattet bis Geld auf die Hand oder Anzeige. Merkt der noch etwas ?????? Nix gibs, hau ab. Und erzürnt ob seiner Erfolglosigkeit reißt seine Frau ihre Leinen an Bord und sie trollen sich.
Am nächsten Tag drei Schleusen weiter hab ich dann die Wasserschutzpolizei zu Gast. Nett und freundlich und mit dem Hintern an Aufbau angelehnt, schreibt der nette Herr die Personalien nach meinen Angaben auf. Fragt auch nach dem Führerschein, ich rede weiter über die Fähigkeiten der Skipper und der Führerschein ist vergessen. Ein freundliches „ Tschüss“ und mir haut ein riesiger Felsen die Füße platt.
Langsam trollen wir uns durch den Kanal und die nie enden wollenden Schleusen.
In einer der nächsten Schleusen liegen wir wieder mit der Berufsschiffahrt. Nach dem Auslaufen verständige ich mich mit dem vor mir fahrenden Franzosen über das Überholen, welches dann auch flott vonstatten geht. Da plärrt er plötzlich über UKW, dass sein Wohnzimmer schwimmt. Ja, hab ich es denn nur mit Wannseefahrern zu tun ? Auf dem Rhein lässt er doch auch nicht die Tür auf. Im übrigen ist es grob fahrlässig, die Schotten nicht zu schließen. Auch er erstattet Anzeige und eine Schleuse weiter erwartet uns die Polizei des nächsten Revieres. Die sind schon informiert über den vorherigen Fall und somit ist die Freundlichkeit entsprechend. Der erste Satz war : „ Sie hinterlassen ja eine Schneise der Verwüstung“.
Nach Abschluss der halbwegs genauen Aufnahme der Personalien mit Führerscheinkontrolle geht auch dieser beflissene Beamte. Er droht
mir noch an, bei dem nächsten Vorfall andere Maßnahmen zu ergreifen. Das muss nun aber nicht sein. Wie gut, dass es sie gibt: wieder nichts gemerkt, wie schön.
Nun muss ich aber ganz schön die Zurückhaltung üben und schalte nach dem Verlassen der Schleuse den Backbordmotor aus. Das verlangsamt die Geschwindigkeit bei Standgas um die Hälfte und spart auch noch den Sprit für die eine Maschine und das sind glatte 4,5 Liter pro Stunde.
Bei Nürnberg wird’s dann schon zeitig dunkel und ich lege direkt an der Kanalmauer an zum Übernachten. Schön die Ankerlampe an und ab in die Koje. Ich bin gerade am wegsacken, als ein Schubverband an uns vorbeifährt und heftigen Schwall verursacht. Benommen torkele ich mit Wahnvorstellungen eines im Kanal kreiselnden Schiffes nach oben, um die Situation zu erfassen und die Leinen zukontrollieren. Am nächsten Morgen hatte ich das Gefühl, nicht eine Stunde geschlafen zu haben.
Der Morgen ist wie alle Morgen bisher auf dieser Reise, leichter Nebel löst sich auf und die Sonne steigt empor Wir gleiten mit mageren 11 km/h durch den Kanal Richtung Kehlheim. Jochen macht das Frühstück fertig und während des Fahrens frühstücke ich. Die langweilige Dreherei am Ruder überlasse ich dem Automaten, der
kann das besser als ich. Nachmittags, nachdem wir eine der vielen Schleusen verlassen, verdunkelt sich langsam der Himmel und eine Wetterfront zieht auf. Wir sind zur Zeit auf einem völlig ungeschütztem Kanalteil, weit und breit kein Baum, kein Strauch. Und dann geht’s langsam los mit dem Regen. Doch die Überraschung kommt noch. Plötzlich verstärkt sich der Regen, es wird noch dunkler und plötzlich kann ich nicht mehr die Reeling sehen. Noch bevor es mir gelingt, den Anker auf den Grund zu bringen, treiben mich die Windstösse in die Uferböschung. Rumms, sitze ich mit dem Bug in den Klamotten. Per Rückwärtsgang wieder raus, das leeseitige Ufer gesucht und ab mit dem Anker zum Grund. Jetzt hilft nur noch beten, dass die Richtung richtig war und der Anker auf dem Grund halt findet. Halleluja, er hat Halt gefunden. Da liegt er nun und versucht, den Windboen stand zu halten, die an dem Schiff zerren. Nun kommen auch noch zum sindflutartigen Regen die Daumennagel großen Hagelkörner vom Himmel und knallen aufs Schiff, es ist Weltuntergang.
Und zehn Minuten später scheint wieder die Sonne, und weiter geht’s durch den nie enden wollenden Kanal. Nach sechs Tagen Fahrt von meistens morgens sechs Uhr bis abends neun Uhr erreichen wir die Donau bei Kehlheim.
Am Sonntag machen wir schnelle Kilometer, da die Strecken zwischen den Schleusen länger werden. Um 10,00 Uhr haben wir an diesem Tag schon die 2. Schleuse, „Kachlet“. Wir passieren Passau und kommen um 13,30 Uhr aus der Schleuse „Jochenstein“ .
Natürlich haben wir auch viel fotografiert, leider kann man aber nicht auf den Chip schreiben, was man gerade fotografiert hat.
Sorry, aber bald gehts weiter.
Donnerstag, 23. August 2007
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